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15 Jahre Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft

„Ihr macht genau das, was Kurt Rothschild als relevante Ökonomie bezeichnet hat“ (Finanzminister Markus Marterbauer). 

Etwa 100 Menschen folgten am 12. Dezember der Einladung zur 15-Jahr-Feier des Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Nach einem Posterwalk eröffnete Theresa Hager unsere ja eigentlich um ein Jahr verspätete Feier: „Wie vielleicht einige gemerkt haben sind wir ja schon 16 Jahre, aber ihr wisst schon in der Pubertät vergisst man halt schon mal Termine“. 15 Jahre kritische ökonomische Forschung an der JKU boten aber einen Grund zum Feiern für viele Gäste und Sympathisant*innen. Es folgte ein feierlicher Auftakt durch den Rektor der JKU Stefan Koch und den Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Gerald Pruckner. Rektor Koch gratulierte uns dabei sowohl zu der Beständigkeit, mit der wir an zentralen gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen arbeiten, als auch zu dem Erfolg dies in einem stark wettbewerblichen Umfeld der Drittmittelforschung zu erreichen. Dekan Pruckner wiederum betonte mehrmals seine Wertschätzung für unsere alternativen und interdisziplinären Zugänge zu ökonomischen Themenstellungen. So zeige nicht zuletzt unser großer Erfolg in der Grundlagenforschungsförderung, dass Forschung abseits des ökonomischen Mainstreams eine gute und notwendige Ergänzung zu Forschung entlang traditioneller Disziplinen darstellt. 

Nach Grußworten vom Präsidenten der oberösterreichischen Arbeiterkammer, der betonte wie wichtig es sei, gerade in den Wirtschaftswissenschaften Forschung für uns aus Perspektive der Arbeitnehmer*innen zu machen, leitete Theresa Hager zu einem Abriss über die recht abwechslungsreiche und in vielen Phasen durch personelle und finanzielle Unsicherheiten geprägte Geschichte des ICAE über: In drei Phasen zeichneten Walter Ötsch, Jakob Kapeller und Stephan Pühringer die Entwicklung des Instituts nach. Gegründet wurde das ICAE auf Initiative der Stadt Linz und als Reaktion auf die Sprachlosigkeit der traditionellen Volkswirtschaftslehre zur Finanzkrise 2008ff. Walter Ötsch erläuterte wie am Anfang zwar vieles unklar war, dennoch aber sowohl der Anspruch Wirtschaft in Gesellschaft eingebettet zu sehen und auf diese Weise auch einen ganzheitlichen Blick auf ökonomische Phänomene zu gewinnen bestand. Jakob Kapeller blickte auf eine Phase des ICAE ab 2015 zurück, das durch eine stärkere internationale Orientierung, wie auch durch eine stärkere makroökonomische Schwerpunktsetzung gekennzeichnet war: „Wir haben uns halt die Anerkennung international geholt, die wir zuhause nicht so bekommen haben.

So machte die Forschung zu ökonomischer Ungleichheit, ökonomischer Polarisierung in der EU und dessen wirtschaftspolitische Implikationen das ICAE über die Grenzen Österreichs hinaus zu einem Knotenpunkt für Heterodoxe Ökonomie. Renate Anderl, Präsidentin der AK Österreich, betonte in ihren Grußworten unsere langjährige Kooperation und die Notwendigkeit kritischer ökonomischer Forschung gerade in Krisenzeiten und stellte fest: „Es ist gut, dass es euch auf der wissenschaftlichen Landkarte gibt„. In ähnlicher Weise betonte auch Finanzminister Markus Marterbauer in seinen Grußworten: „Ihr macht genau das, was Kurt Rothschild als relevante Ökonomie bezeichnet hat“. Abschließend beschrieb Stephan Pühringer die letzten beiden Phasen in der Entwicklung des ICAE ab 2020 und wagte auch einen Blick in die Zukunft. Trotz vieler Unsicherheiten ist es uns in den letzten Jahren insbesondere durch die Einwerbung von höchst renommierten Forschungsförderungen und Preisen des FWF und der ÖAW gelungen den Anspruch an gesellschaftliche Relevanz unserer Forschung mit akademischer Exzellenz zu verbinden. Thematisch haben wir uns noch einmal stärker interdisziplinär verortet und ein sozialwissenschaftliches Verständnis der Ökonomie vorangetrieben. Dadurch konnten auch bestehende Kooperationen etwa im Bereich der Kritischen Soziologie und der Warenkettenforschung ausgebaut werden, wie Karin Fischer im Gespräch herausstrich. Personell ist es auch durch diese Projekte gelungen unser Forschungsteam zu erweitern und zu diversifizieren und einen Rahmen zu schaffen in dem kritische Forschung betrieben und in der Tradition von Kurt Rothschild die Frage der Macht in der Wirtschaft gestellt werden kann. Pühringer führte dabei aus, dass gute kritische Forschung nur im Team funktionieren kann und stellte fest, dass „gerade in Krisenzeiten gesellschaftliche Relevanz der zentrale Gradmesser für exzellente Forschung in den Sozialwissenschaften sein muss“. Vor diesem Hintergrund stellten Carlotta Terhorst und Lukas Bäuerle dann die neue Wissenstransferplattform www.kompass.blog, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster vor, die in den nächsten Jahren dazu dienen soll, den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse an ein breiteres Publikum noch weiter auszubauen.

Nach einer kurzen Pause richtete dann die Podiumsdiskussion zum Thema „Welche Rolle hat kritische politische Ökonomik und interdisziplinäre Forschung in Zeiten multipler Krisen und der sozial-ökologischen Transformation?“ den Blick in die Zukunft. Exzellent moderiert von der aufgrund einer Erkrankung ganz spontan eingesprungenen Carina Altreiter diskutierten am Podium Alyssa Schneebaum (Uni Wien), Karin Heitzmann (WU), Brigitte Aulenbacher (JKU), Philipp Heimberger (wiiw) und Stephan Pühringer, warum es kritische Forschung mehr denn je braucht und was dieser entgegenstehen könnte. Hier wurden einerseits Marginalisierungstendenzen zuungunsten heterodoxer Ökonomie und der Mangel an vielfältigen Forschungsperspektiven – gerade in der stark männlich geprägten VWL -, sowie prekäre Arbeitsbedingungen an österreichischen Universitäten kritisch beleuchtet. Andererseits zeigen aber Veranstaltungen wie diese und der Erfolg des ICAE in den letzten 15 Jahren, dass es trotz widriger Umstände und Unsicherheiten lohnenswert und ohnehin unerlässlich ist, die wichtigen und richtigen Fragen zu stellen… eben den Wald zu sehen und nicht die Bäume. Da kritische und in die Zukunft gewandte Forschung aber nur auf einem stabilen auch finanziellen Fundament gelingen kann, war passend zur Jahreszeit auch der Wunsch des Podiums ans Christkind recht einhellig: Entfristete Arbeitsverhältnisse und ein klares Bekenntnis zu kritischer sozialwissenschaftlicher Forschung! 

Beim anschließenden Buffet mit Punsch klang der Abend in geselliger Atmosphäre aus – mit vielen Gesprächen, neuen Kontakten und einem gemeinsamen Toast auf 15 Jahre ICAE, das weiterhin den Blick für den Wald nicht nur für einzelne Bäume schärft.

 

Die aktuelle Broschüre des ICAE finden Sie hier, öffnet eine Datei.

„Ihr macht genau das, was Kurt Rothschild als relevante Ökonomie bezeichnet hat“ (Finanzminister Markus Marterbauer). 

Etwa 100 Menschen folgten am 12. Dezember der Einladung zur 15-Jahr-Feier des Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Nach einem Posterwalk eröffnete Theresa Hager unsere ja eigentlich um ein Jahr verspätete Feier: „Wie vielleicht einige gemerkt haben sind wir ja schon 16 Jahre, aber ihr wisst schon in der Pubertät vergisst man halt schon mal Termine“. 15 Jahre kritische ökonomische Forschung an der JKU boten aber einen Grund zum Feiern für viele Gäste und Sympathisant*innen. Es folgte ein feierlicher Auftakt durch den Rektor der JKU Stefan Koch und den Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Gerald Pruckner. Rektor Koch gratulierte uns dabei sowohl zu der Beständigkeit, mit der wir an zentralen gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen arbeiten, als auch zu dem Erfolg dies in einem stark wettbewerblichen Umfeld der Drittmittelforschung zu erreichen. Dekan Pruckner wiederum betonte mehrmals seine Wertschätzung für unsere alternativen und interdisziplinären Zugänge zu ökonomischen Themenstellungen. So zeige nicht zuletzt unser großer Erfolg in der Grundlagenforschungsförderung, dass Forschung abseits des ökonomischen Mainstreams eine gute und notwendige Ergänzung zu Forschung entlang traditioneller Disziplinen darstellt. 

Nach Grußworten vom Präsidenten der oberösterreichischen Arbeiterkammer, der betonte wie wichtig es sei, gerade in den Wirtschaftswissenschaften Forschung für uns aus Perspektive der Arbeitnehmer*innen zu machen, leitete Theresa Hager zu einem Abriss über die recht abwechslungsreiche und in vielen Phasen durch personelle und finanzielle Unsicherheiten geprägte Geschichte des ICAE über: In drei Phasen zeichneten Walter Ötsch, Jakob Kapeller und Stephan Pühringer die Entwicklung des Instituts nach. Gegründet wurde das ICAE auf Initiative der Stadt Linz und als Reaktion auf die Sprachlosigkeit der traditionellen Volkswirtschaftslehre zur Finanzkrise 2008ff. Walter Ötsch erläuterte wie am Anfang zwar vieles unklar war, dennoch aber sowohl der Anspruch Wirtschaft in Gesellschaft eingebettet zu sehen und auf diese Weise auch einen ganzheitlichen Blick auf ökonomische Phänomene zu gewinnen bestand. Jakob Kapeller blickte auf eine Phase des ICAE ab 2015 zurück, das durch eine stärkere internationale Orientierung, wie auch durch eine stärkere makroökonomische Schwerpunktsetzung gekennzeichnet war: „Wir haben uns halt die Anerkennung international geholt, die wir zuhause nicht so bekommen haben.

So machte die Forschung zu ökonomischer Ungleichheit, ökonomischer Polarisierung in der EU und dessen wirtschaftspolitische Implikationen das ICAE über die Grenzen Österreichs hinaus zu einem Knotenpunkt für Heterodoxe Ökonomie. Renate Anderl, Präsidentin der AK Österreich, betonte in ihren Grußworten unsere langjährige Kooperation und die Notwendigkeit kritischer ökonomischer Forschung gerade in Krisenzeiten und stellte fest: „Es ist gut, dass es euch auf der wissenschaftlichen Landkarte gibt„. In ähnlicher Weise betonte auch Finanzminister Markus Marterbauer in seinen Grußworten: „Ihr macht genau das, was Kurt Rothschild als relevante Ökonomie bezeichnet hat“. Abschließend beschrieb Stephan Pühringer die letzten beiden Phasen in der Entwicklung des ICAE ab 2020 und wagte auch einen Blick in die Zukunft. Trotz vieler Unsicherheiten ist es uns in den letzten Jahren insbesondere durch die Einwerbung von höchst renommierten Forschungsförderungen und Preisen des FWF und der ÖAW gelungen den Anspruch an gesellschaftliche Relevanz unserer Forschung mit akademischer Exzellenz zu verbinden. Thematisch haben wir uns noch einmal stärker interdisziplinär verortet und ein sozialwissenschaftliches Verständnis der Ökonomie vorangetrieben. Dadurch konnten auch bestehende Kooperationen etwa im Bereich der Kritischen Soziologie und der Warenkettenforschung ausgebaut werden, wie Karin Fischer im Gespräch herausstrich. Personell ist es auch durch diese Projekte gelungen unser Forschungsteam zu erweitern und zu diversifizieren und einen Rahmen zu schaffen in dem kritische Forschung betrieben und in der Tradition von Kurt Rothschild die Frage der Macht in der Wirtschaft gestellt werden kann. Pühringer führte dabei aus, dass gute kritische Forschung nur im Team funktionieren kann und stellte fest, dass „gerade in Krisenzeiten gesellschaftliche Relevanz der zentrale Gradmesser für exzellente Forschung in den Sozialwissenschaften sein muss“. Vor diesem Hintergrund stellten Carlotta Terhorst und Lukas Bäuerle dann die neue Wissenstransferplattform www.kompass.blog, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster vor, die in den nächsten Jahren dazu dienen soll, den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse an ein breiteres Publikum noch weiter auszubauen.

Nach einer kurzen Pause richtete dann die Podiumsdiskussion zum Thema „Welche Rolle hat kritische politische Ökonomik und interdisziplinäre Forschung in Zeiten multipler Krisen und der sozial-ökologischen Transformation?“ den Blick in die Zukunft. Exzellent moderiert von der aufgrund einer Erkrankung ganz spontan eingesprungenen Carina Altreiter diskutierten am Podium Alyssa Schneebaum (Uni Wien), Karin Heitzmann (WU), Brigitte Aulenbacher (JKU), Philipp Heimberger (wiiw) und Stephan Pühringer, warum es kritische Forschung mehr denn je braucht und was dieser entgegenstehen könnte. Hier wurden einerseits Marginalisierungstendenzen zuungunsten heterodoxer Ökonomie und der Mangel an vielfältigen Forschungsperspektiven – gerade in der stark männlich geprägten VWL -, sowie prekäre Arbeitsbedingungen an österreichischen Universitäten kritisch beleuchtet. Andererseits zeigen aber Veranstaltungen wie diese und der Erfolg des ICAE in den letzten 15 Jahren, dass es trotz widriger Umstände und Unsicherheiten lohnenswert und ohnehin unerlässlich ist, die wichtigen und richtigen Fragen zu stellen… eben den Wald zu sehen und nicht die Bäume. Da kritische und in die Zukunft gewandte Forschung aber nur auf einem stabilen auch finanziellen Fundament gelingen kann, war passend zur Jahreszeit auch der Wunsch des Podiums ans Christkind recht einhellig: Entfristete Arbeitsverhältnisse und ein klares Bekenntnis zu kritischer sozialwissenschaftlicher Forschung! 

Beim anschließenden Buffet mit Punsch klang der Abend in geselliger Atmosphäre aus – mit vielen Gesprächen, neuen Kontakten und einem gemeinsamen Toast auf 15 Jahre ICAE, das weiterhin den Blick für den Wald nicht nur für einzelne Bäume schärft.

 

Die aktuelle Broschüre des ICAE finden Sie hier, öffnet eine Datei.

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