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scilog: Neue Studie untersucht Netzwerke der österreichischen Superreichen

Stephan Pühringer im Gespräch mit scilog, dem Wissenschaftsmagazin des FWF über die Vermögensungleichheit in Österreich

Österreich zählt im EU-Vergleich zu den Ländern mit der höchsten Vermögensungleichheit. Laut Daten der Europäischen Zentralbank besitzen die reichsten fünf Prozent der Haushalte über 53 Prozent des Nettovermögens. Dennoch ist über die genauen Vermögensstrukturen der reichsten Familien bislang wenig bekannt. Stephan Pühringer und Kolleg*innen haben im Journal Socio-Economic Review veröffentlichten Studie die wirtschaftlichen Verflechtungen der heimischen „oligarchischen Vermögenselite“ detailliert analysiert.

Das Team untersuchte die Strukturen von 62 der reichsten österreichischen Haushalte und wertete dafür offizielle Daten aus dem Firmenbuch sowie dem Register der wirtschaftlichen Eigentümer aus. Das Ergebnis ist ein komplexes Beziehungsgeflecht aus rund 70.000 Knotenpunkten, darunter Tochtergesellschaften, Privatstiftungen und Anwaltskanzleien. Die Analyse zeigt eine enorme Machtkonzentration: Fast alle untersuchten Reichennetzwerke sind über personelle oder unternehmerische Schnittstellen direkt miteinander verwoben. Sogenannte „Superconnectors“, hochspezialisierte Akteure aus Aufsichtsrät*innen, Kanzleien oder der Vermögensverwaltung, steuern diese Netzwerke und verschaffen den Vermögenden erhebliche Ressourcenvorteile gegenüber den Finanzbehörden.

Die Forschenden identifizierten drei primäre Modi der Vermögensakkumulation: finanzgetriebene Strukturen, immobilienfokussierte Geflechte sowie weitläufige industrielle Netzwerke mit engen Verstrickungen zur Politik. Als zentrale Instrumente zur langfristigen, steuerschonenden Absicherung großer Vermögen stechen die österreichischen Privatstiftungen hervor: Über ein Drittel der rund 3.000 Stiftungen im Land entfällt auf die 62 untersuchten Haushalte.

Um der fortschreitenden Ungleichheit und der damit einhergehenden Gefährdung demokratischer Strukturen entgegenzuwirken, plädiert Pühringer für politische Reformen. Neben der Wiedereinführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern sieht er dringenden Regulierungsbedarf im Stiftungsrecht sowie strengere Vorgaben im Unternehmensrecht, wie etwa eine Deckelung der maximalen Postenanzahl für Geschäftsführer.

 

Link zum Beitrag auf scilog hier.

Link zur Studie hier.

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